
Der Biber hat sich am Hochrhein wieder breitgemacht. 26 BZ-Leserinnen und Leser begaben sich mit Biberexpertin Bettina Sättele auf Spurensuche in und um Bad Säckingen.
Unweit der Golfwelt in Obersäckingen ist als Ausgleichsmaßnahme für die A98 ein kleines Paradies für den Biber entstanden. Dennoch hat es der Biber im Landkreis Waldshut schwerer als im Landkreis Lörrach, wie Bettina Sättele vom Fachbüro für Biberfragen 26 BZ-Lesern darlegte. Im Nachbarlandkreis gibt es mehr Auen, in denen sich der Biber wohlfühlt.
Am Krebsbach nahe der Golfwelt gibt es aber genügend Platz für den tierischen Landschaftsgestalter.
Bettina Sättele, die sich seit 1996 für die Biber einsetzt, erklärte anhand eines präparierten Bibers die Besonderheiten des einheimischen Rückkehrers. In weiten Teilen Europas war er fast vollständig ausgerottet worden.
Gejagt wurde der Biber wegen seines Fleisches. Ein mittelalterliches Papstedikt erklärte das Säugetier mit seinem flossenartigen Schwanz zum fischähnlichen Wassertier, so dass es auch in Fastenzeiten gegessen werden durfte.
Begehrt war früher außerdem das wärmende Fell des Bibers und auch das Sekret der Analdrüsen, das sogenannte Bibergeil, das der Biber zur Reviermarkierung nutzt. Es enthält unter anderem Salicylsäure, die aus Schmerzmitteln bekannt ist. Inzwischen soll es Schätzungen zufolge wieder 12.400 Biber in Baden-Württemberg geben. Diese Schätzungen zweifelt Sättele jedoch stark an, da keine Zählungen stattfinden und Tiere auch nicht mit Ortungssendern versehen würden.
Das Tier zählt zu den streng geschützten Arten. Der begabte Baumeister zeigte sich zwar nicht der Gruppe, Biberdämme, Biberburgen, überschwemmte Gebiete und jede Menge angenagter Bäume zeugen aber von seiner Existenz. Am Krebsbach hat er an schnell fließenden Stellen Dämme gebaut und so den Wasserlauf umgeleitet. Zudem ist hinter den Dämmen ein größerer See entstanden. Sättele zeigten auch Spuren, von denen Laien nicht sofort auf die Anwesenheit eines Bibers schließen würden. So lagen frische Äste auf der großen Biberburg. Zudem gibt es frische Schlammablagerungen an einer vom Biber angelegten Rinne. Die Nagesspuren an den Bäumen sind dagegen einfacher zuzuordnen. Mit Blick auf Gehölzarbeiten entlang der Schaffhauser Straße meinte Bettina Sättele, man könne mehr für die Natur tun, wenn man das abgeschnittene Material dem Biber zur Verfügung stellt.


Schwieriger sieht die Lage des Bibers am Gießenbach in Bad Säckingen aus: Der Bach fließt mitten durch besiedeltes Gebiet. Hier hat der Biber unweit vom Rhein sein Revier mit einer Biberburg eingerichtet. Er hat einen Damm gebaut und damit einen See angestaut. Anwohner berichten von Biber-Nachwuchs. Sie zeigten sich erfreut, dass die Wohngegend durch die vom Biber gestaltete Landschaft deutlich an Attraktivität gewonnen habe.
Bäume in der Umgebung sind mit Drahtgittern und Metallhülsen gegen die Nager abgesichert. Aufgrund der Tiefgaragen, die zu den naheliegenden Mehrfamilienhäusern gehören, musste man schon beim Damm eingreifen, damit der aufgestaute See nicht zu groß wird. Mit einem seitlichen Ablaufrohr ist gesichert, dass der Wasserstand nicht steigt.
Am Unterlauf des Gießenbachs, der an den Kleingartenanlagen vorbeiführt, werden Dammbauten von der Stadt schnell entfernt, um eine Überschwemmung der Straßen und Gärten zu verhindern. Nicht ganz so glücklich sei die Entfernung des Schilfs in den Uferbereichen, merkte Sättele an. Schilf schütze die Biberburg.
Bettina Sättele sieht ihre jahrelangen Bemühungen um eine Wiederansiedlung des Bibers aktuell von der neuen Biberverordnung der Landesregierung zunichtegemacht. Diese sieht vor, dass Tiere getötet werden dürfen, wenn sie massive Schäden verursachen … Gegen die Biberverordnung lief bis zum 20. März eine Petition von BUND und Nabu unter dem Titel „Stoppt das geplante Biber-Töten!“